"Potsdam Exklusiv" auf Meetingpoint: #36/26: Geschichten an der Garnisonkirche Das musikalische Erbe

Zur Kirche
Die Garnisonkirche wurde in den Jahren 1730 bis 1735 errichtet. Bauherr Friedrich Wilhelm I. beauftragte den Architekten Philipp Gerlach, die Kirche im norddeutschen Barock zu errichten. Mit einer Turmhöhe von fast 90 Metern war sie das höchste Bauwerk Potsdams und prägte als Teil des Dreikirchenblicks zusammen mit der Nikolaikirche und der Heiliggeistkirche das Stadtbild bis 1945. Musikalisch bestach das Kirchenschiff mit seiner Orgel und der Turm mit dem dort befindlichen Glockenspiel.

Die Orgel
In der Garnisonkirche befand sich eine Wagner-Orgel mit 24 Registern auf zwei Manualen. 1747 spielt auf ihr Johann Sebastian Bach zur Freude des Königs Friedrich II.

Im 19. Jahrhundert fanden verschiedene Solokonzerte mit damals hochkarätigen Sängerinnen sowie Chortreffen mit bis zu 500 Sängern statt. Sowohl der Adel als auch das aufstrebende Bürgertum sowie Arbeiter und Angestellte besuchten die Konzerte, die teilweise auch als Benefizkonzerte gespielt wurden. Immerhin bot der Innenraum der Kirche 3000 Zuhörern Platz, 1898 reduzierte sich die Zahl auf 2.800 Plätze aufgrund von Umbaumaßnahmen an der Orgel. Berühmte Organisten der Potsdamer Garnisonkirche waren Johann Reger und Karl Landgrebe im 19. bzw. 20. Jahrhundert. Bereits 1944 wurde das Kirchenschiff zerstört und damit auch die Orgel.

Nach 1945 fanden im noch vorhandenen Turm bzw. in der Heilig-Kreuz-Kapelle des Turms, die 1950 eingeweiht wurde, musikalische Vespern statt. Jeden Sonnabend wurde die Kirche zu einem beliebten Ort der Kirchenmusik. 1966 wurde dort sogar eine Schuke-Orgel eingebaut. Zwei Jahre später wurde die Kirche jedoch gesprengt und das musikalische Leben musste ausweichen.

Heute finden im neu errichteten Turm wieder Orgelkonzerte statt. Sowohl in den Gedenkgottesdiensten als auch zu musikalischen Lesungen wird die neue Schuke-Orgel gespielt. Des Weiteren finden Orgelführungen mit Kurzkonzert statt.

Das Glockenspiel
Das Glockenspiel kam aus Holland. Die Walze nebst Spieltisch und erst recht das Einbringen der Glocken mit den Anschlaghämmern ist das Produkt von Ingenieurskunst und Musiksachverstand. Seit 1797 erklang der Lieblingschoral der Königin Luise „Lobe den Herren“ zu jeder vollen Stunde. In den folgenden Jahrzehnten kamen weitere Melodien hinzu, die zu jeder Viertelstunde gespielt wurden.

Anfang des 20. Jahrhunderts wirkte Otto Becker in der Kirche. Er war Kantor, Organist und spielte auch das Glockenspiel. In der NS-Zeit ließ er sogar verbotene jüdische Komponisten über der ganzen Stadt erklingen. Dies spendete den politisch Inhaftierten im Potsdamer Gefängnis in der Lindenstraße Trost und Zuversicht. Denn der Klang der Choräle drang bis in die Gefängniszellen, wie Zeitzeugen berichteten.

Fazit
Die Garnisonkirche war immer auch ein Ort der Musik – von Bach über das berühmte Glockenspiel bis zur Kirchenmusik nach 1945. Stiftung und Fördergesellschaft knüpfen heute mit Orgelkonzerten und anderen musikalischen Veranstaltungen an diese nahezu 300-jährige Tradition an. Die nächste Veranstaltung unter dem Motto „Geschichte(n) an der Garnisonkirche“ findet am 8. Oktober statt - wie immer am 1. Donnerstag im Monat. Beginn ist um 18 Uhr, bei freiem Eintrittt, Spenden sind willkommen.

Mehr Infos: [www.fwg-garnisonkirche.de]


[Potsdam Exklusiv] ist dabei - bei den außergewöhnlichen Shows, den großen Bällen, wichtigen Events, am Tisch interessanter Menschen. Ab sofort gibt es davon auch regelmäßig Einblicke auf Meetingpoint Potsdam - ganz exklusiv.

Dieser Artikel wurde 424-mal aufgerufen.
Wie fanden Sie diesen Beitrag?