"Potsdam Exklusiv" auf Meetingpoint: #37/26: Zwischen Unzufriedenheit und neuen Perspektiven / Der 8. Ostdeutsche Unternehmertag

Steuern senken, Verwaltung modernisieren
Dr. Burkhardt Greiff, Sprecher der Interessengemeinschaft, brachte es in seiner Begrüßungsrede auf den Punkt: „Die Diskussionen sind wir leid. Es muss nun Gas gegeben werden.“ Und forderte zur Stärkung des Wirtschaftswachstums, die Steuern zu senken, die Verwaltung zu modernisieren und die Digitalisierung voranzutreiben, insbesondere in der Verwaltung.
Martina Klement, Wirtschaftsministerin des Landes Brandenburg, betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung des Mittelstandes in Deutschland und eben auch in Ostdeutschland und stellte nach drei Jahren wirtschaftlicher Stagnation, die an den Betrieben nicht spurlos vorbeigegangen sei, fest, dass es Gründe zur Zuversicht gäbe. Diesbzgl. führte sie die Ansiedlungen im Land Brandenburg an, die Auflage des Future Tec Fonds zur Unterstützung von Start ups sowie die neuen Vergaberichtlinien.
Prof. Dr. Alexander S. Kritikos vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) stellte in seiner Keynote fest, dass nicht weniger Staat, sondern ein besserer Staat die Lösung bzgl. der Bürokratieentlastung sei und meinte damit, dass sich die Verwaltungsqualität in Deutschland erhöhen müsse. In Summe müsse die Verwaltung die Komplexität von Gesetzen nicht auf die Unternehmen auslagern, sondern diese unterstützen. Als positives Beispiel hierfür führte er die nordischen Länder an. Dort sei die Verwaltung der Partner der Wirtschaft und nicht der Bürokrat, der bremst.
Zukunftsfragen und ein neuer Wirtschaftspreis: der Ostwärts!
In den drei folgenden Panels diskutierten verschiedene Vertreter und Vertreterinnen aus der Verwaltung und der Unternehmerschaft die vier zentrale Zukunftsfragen auf der Bühne: innovatives Bauen, relevante Fragen zum Finanzierungsmix des Mittelstandes, Künstliche Intelligenz und seine Auswirkungen auf die Arbeitswelt.
Höhepunkt des Tages war die Verleihung eines neuen Wirtschaftspreises: der Ostwärts! Zwar brauche es keinen neuen Preis, wohl aber eine neue Erzählung des Ostens, führte Veranstalter Matthias Gehrmann aus. „Am Vorbild der Sonne, die ja bekanntlich im Osten aufgeht, wollen wir zeigen, was hier im Osten entsteht und noch entstehen kann“, so Gehrmann. „Es muss einen Perspektivwechsel geben.“ Drei Unternehmen erhielten erstmals den Ostwärts: die rohrgroup GmbH aus Berlin für innovative Ansätze in der Bestandssanierung, die intervista AG aus Potsdam für das Projekt „Künstliche Intelligenz mit einem Gewissen auszustatten“ sowie die EXPO 2035 GmbH für die gemeinsame EXPO-Bewerbung Berlins und Brandenburgs.
Wieviel Politik ist notwendig?
Im vierten und letzten Panel ging es dann um die politischen Rahmenbedingungen für die erfolgreiche Transformation in Ostdeutschlands. Johannes Steiniger, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, stellte fest, dass man es sich in der Politik viele Jahre zu bequem gemacht hätte und viele Probleme schon lange hätten angepackt werden müssen. Als Beispiel führte er die Reform der Rente an. Deutliche Worte fand Holger Friedrich, Gründer der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung. Die Politik solle sich ganz maßgeblich aus der Wirtschaft heraushalten, denn sie übernähme kein Risiko. Die Unternehmerschaft zahle regelmäßig den Preis für politische Fehlentscheidungen und eben nicht der Verwalter. Unternehmerische Wertschöpfung müsse immer höher sein als politische Abschöpfung. So lange jedoch die Wirtschaft und mit ihr das Unternehmertum nicht gewertschätzt würden, so lange brauche man sich eben auch nicht wundern, wenn Unternehmen ins Ausland gingen, wo besser mit ihnen umgegangen würde. Gerald Rynkowski, Geschäftsführer der Veinland GmbH, blieb im kritischen Bild: „Ich transformiere in meinem Unternehmen seit 20 Jahren. Im Laufe der Zeit kümmern sich immer mehr Verwaltungsleute um uns, aber nicht einer bringt uns weiter. Das ist eine Blindleistung, wir benötigen jedoch Wirkleistung.“
Trotz aller Kritik blieb am Ende des 8. Ostdeutschen Unternehmertags die Botschaft des Aufbruchs, denn gerade Ostdeutschland hat im Zuge der Wiedervereinigung Transformationserfahrungen gesammelt und dabei Resilienz erlernt und erfahren. Auf diese Kompetenzen müsse man nun aufbauen, waren sich die Redner des Abschlusspanels einig.
Mehr Infos: [www.ostdeutscher-unternehmertag.de]





















