Brandenburg wächst durch Zuwanderung

Der zuständige Minister René Wilke ordnet den Bericht deutlich ein. „Integrationspolitik braucht eine belastbare Grundlage. Mit dem ZIB 2025 wissen wir, was in Brandenburg funktioniert, wo Handlungsbedarf besteht und welche Weichen wir stellen müssen", sagte er. „Die Zahlen zeigen: Zuwanderung ist für Brandenburgs Gesellschaft und Wirtschaft längst kein Randphänomen mehr, sondern ein strukturelles Fundament."

Die Daten stützen diese Einordnung. Die ausländische Bevölkerung im Land hat sich im vergangenen Jahrzehnt mehr als verdreifacht. Trotzdem lag ihr Anteil 2024 mit 7,2 Prozent noch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 14,8 Prozent. Auffällig ist die Vielfalt: polnische Arbeitnehmer mit einer Beschäftigungsquote von 71,5 Prozent, die damit über der der deutschen Bevölkerung liegt; ukrainische Arbeitskräfte, deren Zahl allein in der Metall- und Elektroindustrie zwischen 2022 und 2024 um mehr als 400 Prozent stieg; dazu internationale Studenten, deren Anteil mit 26,2 Prozent bundesweit an der Spitze liegt.

Ein Schwerpunkt des Berichts liegt auf verbreiteten Annahmen, denen er widerspricht. So blieben Geflüchtete laut Lagebild keineswegs dauerhaft auf Sozialleistungen angewiesen. Die Arbeitslosenquote unter Menschen aus Asylherkunftsländern sank von einem Höchststand von 75,6 Prozent im April 2016 auf 33,1 Prozent im Jahr 2021, und das trotz Corona-Pandemie. Die Beschäftigungsquote ukrainischer Staatsangehöriger hat sich seit Kriegsbeginn 2022 mehr als verdoppelt. Auch einen mangelnden Integrationswillen sieht der Bericht widerlegt. Die Zahl der Teilnehmer an Integrationskursen stieg von 1.437 im Jahr 2021 auf 8.676 im Jahr 2023. Die Nachfrage nach Deutschkursen übertraf das Angebot zeitweise sogar. Deutlich wird auch die Rolle der Zuwanderung für den Arbeitsmarkt.

Ausländische Beschäftigte stellen bereits 11,8 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Land, mehr, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Der demografisch bedingte Rückgang deutscher Beschäftigter wird dadurch nahezu vollständig ausgeglichen. In einzelnen Branchen ist das besonders sichtbar. In der Arbeitnehmerüberlassung stellen ausländische Staatsangehörige mit 66,2 Prozent bereits die Mehrheit. In der Metall- und Elektroindustrie stieg die Zahl der Beschäftigten aus Asylherkunftsländern zwischen 2022 und 2024 um 127,8 Prozent.

Der Bericht benennt aber auch Schwächen. Ausländische Vollzeitbeschäftigte verdienen im Median rund 550 Euro weniger als der brandenburgische Durchschnitt. Ein erheblicher Teil von ihnen arbeitet in konjunkturanfälligen Branchen.

Die Zahlen aus dem Bildungsbereich: Mit 26,2 Prozent hat Brandenburg den höchsten Anteil ausländischer Studenten aller Bundesländer. Fast die Hälfte von ihnen studiert Ingenieurwissenschaften. Ohne den wachsenden Anteil ausländischer Bewerber wären die Ausbildungszahlen im Land rückläufig; Zugewanderte stützen also auch das duale Ausbildungssystem. In den Schulen zeigt sich dagegen eine Schere. An Oberschulen liegt der Anteil zugewanderter Schüler bei 12,9 Prozent, an Gymnasien nur bei 5,4 Prozent.

Bewusst betrachtet der Bericht die Zuwanderung nicht als einen einzigen Block. Er unterscheidet nach Herkunftsgruppen und ihren rechtlichen Rahmenbedingungen, von der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit über die Fluchtmigration bis zur Bildungszuwanderung. Die Gruppen haben sehr unterschiedliche Bedarfe. Genau diese Differenzierung sei die Voraussetzung für eine sachliche und zielgenaue Integrationspolitik.

Den vollständigen ZIB 2025 gibt es hier: [masgz.brandenburg.de].

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