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Besuch beim ersten energieautarken Dorf Deutschlands

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 07.07.2022 / 09:15 Uhr von at/pm
Im Rahmen der Klimareise des Klimabündnisses Stadtentwicklung durch Brandenburg besuchte Bauminister Guido Beermann gestern Deutschlands erstes energieautarkes Dorf Feldheim. Mit seinem Konzept hat sich der kleine Ort bei Treuenbrietzen in den letzten 20 Jahren zu einem Tourismusmagneten entwickelt.

„Brandenburg hat sich zum Ziel gesetzt, bis spätestens zum Jahr 2045 klimaneutral zu werden. Das ist sehr ambitioniert und kann nur gelingen, wenn wir unsere Städte und Gemeinden mit ins Boot holen. Gerade in der Wärmewende vor Ort liegt großes Potenzial für den Klimaschutz. Dafür gibt es in den Brandenburger Kommunen viele gute Beispiele, die wir zusammen mit dem BBU und dem VKU im Rahmen unseres Klimabündnisses als Ideengeber ins Land tragen wollen. Wie ein ganzer Ort unabhängig von externen Energieanbietern werden kann, zeigt Feldheim. Private Nahwärme- und Stromnetze versorgen das Dorf mit 100 Prozent erneuerbaren Energien. Damit kann es mehr als seinen eigenen Bedarf decken – ein echter Vorteil in Zeiten stark steigender Energiepreise und des Klimawandels. Mit diesem innovativen Konzept ist Feldheim deutschlandweit ein echter Vorreiter bei der Wärmewende und bei der partnerschaftlichen Zusammenarbeit von Verwaltung, Unternehmen, Projektentwicklern sowie den Bürgerinnen und Bürgern. Kein Wunder, dass das erfolgreiche Projekt nicht nur Anlaufstelle für viele Schulklassen und Touristinnen und Touristen ist, sondern auch schon viele Auszeichnungen erhalten hat.“ 

Michael Knape, Bürgermeister der Stadt Treuenbrietzen ergänzt: „Seit über 25 Jahren beschreiten wir in Treuenbrietzen und insbesondere im Ortsteil Feldheim erfolgreich den Weg hin zur Energiewende. Dabei haben wir nicht nur gemeinsam neue Ideen und Konzepte beschrieben und diskutiert, sondern haben diese auch sichtbar in die Realität umgesetzt. Das weltweite ungebremste Interesse an technisch machbaren und einer wirtschaftlich stabilen dezentralen Lösung zu einer sicheren und vor allem bezahlbaren Energieversorgung auf der Basis der eigenen erneuerbaren Ressourcen vor Ort zeigt, dass eine Energiewende mit erneuerbaren Energien möglich ist, Arbeitsplätze sichert, die öffentlichen Haushalte entlastet und ein echter Exportschlager werden kann. Dazu bedarf es der Bereitschaft, diese Energiewende grundsätzlich neu zu denken. Dies beinhaltet vor allem die Nutzung der gesamten Bandbreite der Wertschöpfungskette mit den regionalen Voraussetzungen zur Erzeugung von Energie und der direkten Nutzung dieser Energie zur Versorgung der Bürgerinnen und Bürger sowie dem Gewerbe und der Industrie. Das macht uns spürbar unabhängiger von globalen Risiken und bilateralen Abhängigkeiten.“

Seit 2010 ist der Ortsteil Feldheim der Stadt Treuenbrietzen energieautark. Neben dem Stromnetz wurde schon 2009 ein eigenes Nahwärmenetz angelegt, an das alle Haushalte angeschlossen sind. Sie erhalten Strom und Wärme direkt von den nahegelegenen Erneuerbare-Energie-Anlagen. Die Energieversorgung wird von 55 Windkraftanlagen, einem Regelkraftwerk für Netzstabilität, einer Biogasanlage, einer Hackschnitzelheizung und einem Solarpark gewährleistet. Mit der technischen Energieautarkie hatte Feldheim auch rechtlich Neuland betreten. So mussten Genehmigungsverfahren eigens an das Vorhaben angepasst werden.

Ein entscheidendes Kriterium für das Gelingen des Projekts war die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger. Für den Anschluss der Haushalte an das Wärmenetz und an das Stromnetz haben sie jeweils 1500 Euro bezahlt. Diese Investition hat sich inzwischen amortisiert. Die laufenden Kosten sind ebenfalls deutlich günstiger als bei der herkömmlichen Strom- und Wärmeversorgung. Diese Kostenersparnis ist ein wichtiger Grund für die Kooperationsbereitschaft der Feldheimerinnen und Feldheimer. Sie sind neben verschiedenen Unternehmen sowie die Stadt Treuenbrietzen innerhalb der Feldheim Energie GmbH & Co. KG Miteigentümer des örtlichen Wärme-Netzes. Das separate Stromnetz wird von der Energiequelle GmbH und Co. WP Feldheim 2006 KG getragen.

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