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Ob das klappt?

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 04.08.2022 / 17:50 Uhr von at/pm
Bauministerin Klara Geywitz (SPD) will bis 2030 ein Ziel der EU umsetzen und die Obdachlosigkeit in Deutschland abschaffen. Dafür soll umgehend ein „Nationaler Aktionsplan“ erarbeitet werden. „Jeder, der eine Wohnung braucht, muss auch eine bekommen können“, sagte Geywitz der Hamburger Obdachlosenzeitung „Hinz&Kunzt“. Doch wie realistisch ist das Ziel aus der Sicht von Organisationen, die sich in ihrer täglichen Arbeit damit beschäftigen?

Nach einer Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe lebten 2020 rund 256.000 wohnungslose Menschen in Deutschland (Asylbewerber in Gemeinschaftsunterkünften nicht eingerechnet), davon 45.000 Menschen auf der Straße, der Rest in öffentlichen Unterkünften. 

Angesichts der Energiekrise erwarten Insider, dass es künftig viel mehr Familien geben wird, die sich eine Wohnung nicht mehr leisten können. Dieter Puhl, Leiter der Stabsstelle für christliche und gesellschaftliche Verantwortung der Berliner Stadtmission, findet es zwar gut, dass die Ministerin das EU-Ziel wieder in Erinnerung rufe, kritisiert aber: „Die Antwort, wie viele Wohnungen Geywitz in einem Stufenplan bis 2030 zur Verfügung stellen wird, bleibt sie schuldig. Und wenn sie sagt, sie werde nach Finnland fahren, um sich ,Housing first‘ anzusehen, kann ich nur noch gähnen, das wird die Sache auch nicht retten.“ In Finnland bemüht man sich, Obdachlosen bedingungslos und so schnell wie möglich eine Wohnung zu vermitteln.

Puhl sieht die Bundesregierung im Zugzwang und erzählt aus der Praxis: „Frau Baerbock ist gefragt. Die Menschen, die in Deutschland obdachlos sind, sind ja nicht alle deutscher Staatsangehörigkeit. Ungarn hat Obdachlosigkeit unter Strafe gestellt – dann haben Sie hier einige Menschen ungarischer Herkunft mehr auf der Straße. Und polnische Menschen machen einen Großteil aus. Dafür gibt es einfache Gründe wie: In Polen gibt es kein Flaschenpfand, mit dem man sich zum Betteln etwas dazuverdienen kann.“ Auf der spanischen Insel Mallorca gebe es wiederum viele deutsche Obdachlose, so Puhl. „Und wenn Menschen psychisch erkrankt sind, ist Lauterbach gefragt. Er wäre der erste Bundesgesundheitsminister, der sich als zuständig für diese Menschen sieht.“

Bram Gätjen, Geschäftsführer des Kölner Vereins Arche für Obdachlose, ergänzt: „Für mich geht das schon in die Richtung Populismus. Wir haben hier ein Sprichwort: ,Mit voller Hose ist gut stinken‘ – das heißt, die Leute, die über Obdachlosigkeit reden, können sich überhaupt nicht vorstellen, wie es ist, obdachlos zu sein.“

Geywitz’ Ankündigung steht auch im Kontrast zu Einschätzungen aus der Bauindustrie und Wohnungswirtschaft. Das Ziel rund 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr zu bauen (davon 100.000 Sozialwohnungen) halten diese für kaum realistisch.

Kapuziner Paulus Terwitte, Vorstand der rein spendenbasierten Franziskustreff-Stiftung in Frankfurt am Main, hält den Vorschlag für realistisch und kontert: „Housing first“ sei ein „Konzept, das wir hier in Frankfurt verwirklichen wollen“. Sein Vorschlag: „Die wichtigste Stellschraube dafür sind Steuererleichterungen für potenzielle Bauherren, die ihnen den Wohnungsbau lukrativ machen. Solche Anreize gibt es ja schon in anderen Bereichen, etwa bei denkmalgeschützter Wohnungssanierung.“ Und auch er verweist auf Finnland als Vorbild: Bei der Städteplanung solle „von vornherein Wohnraum mitgeplant werden für obdachlos gewordene Familien und Einzelpersonen."

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Kommentare

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    mehr Geld für´s Ausland schrieb um 20:44 Uhr am 04.08.2022:
    >>Angesichts der Energiekrise erwarten Insider, dass es künftig viel mehr Familien geben wird, die sich eine Wohnung nicht mehr leisten können.<<

    Das haben wir der dilettantisch- wirtschaftszerstörenden Politik der neuen Ampel- Bundesregierung, die Arbeitsplätze vernichtet und den Menschen das Geld wegnimmt, um damit Waffen und Panzer für fremde Drittstaaten zu finanzieren, damit sich grüne Bundesminister weltweit profilieren können, auf Kosten der deutschen Steuerzahler.

    Dadurch, dass die Bürger mit ihrem Einkommen aufgrund der hohen, staatlichen Zwangsabgaben kein ausreichendes Geld mehr haben, um ihre Familien zu ernähren und am sozialen Leben teilhaben zu können, werden viele um ihre warmes zuhause bangen müssen.
    Lt. „Welt“ haben bereits ein sechstel der Einwohner in Deutschland keine drei Mahlzeiten mehr am Tag.

    Die erste „Rot-Grüne Bundesregierung“ hat den Menschen Armut per Gesetz, genannt „Hartz 4“ durch die Agenda 2010 beschert.

    Die jetzt herrschende „Rot-Grün- Gelbe Ampelregierung“ nimmt den Menschen auch noch ihre warme Wohnung im Winter, was ganz besonders den älteren Rentnern ihren Lebensabend äußerst unangenehm gestalten wird.