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Terroranschlag: Der Ernstfall wird geprobt

Sonstiges
  • Erstellt: 22.09.2022 / 15:39 Uhr von at/pm
Mit Blick auf die Ereignisse in den vergangenen Jahren im In- und Ausland haben Polizei und Rettungsdienste ihre Einsatzpläne überarbeitet, verfeinert und angeglichen. Um diese mit der Praxis abzugleichen, findet seit Dienstag auf einem Polizeigelände in Spandau eine Großübung mit 1000 Einsatzkräften von Polizei und Gesundheitsbehörden statt. Hier proben sie das Szenario eines Terroranschlags mit einer Biowaffe. Eine ähnliche Aktion ist demnächst im Rostocker Hauptbahnhof geplant. Hier werden im Rahmen einer großen Anti-Terror-Übung mit bis zu 1000 Beamten von Bundes- und Landespolizei mehrere unterschiedliche fiktive Szenarien “durchgespielt”. Im „Hinweis für Anwohnende“ heißt es hier:

„In der Zeit der Übung kommt es zu einem hohen Aufkommen an Einsatzfahrzeugen von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. Blaulicht und der Einsatz von Übungsmunition sind für Außenstehende wahrnehmbar. Explosions- und Schussgeräusche werden zu hören sein. Das ist Teil der Übung.“

Der Ablauf der Übung kann durch die Abgabe von Schüssen mit Platzpatronen und simulierte Explosionen mit Knallkörpern zu Lärmbelästigungen rund um den Hauptbahnhof führen. Zwar werden umfangreiche Sichtschutzwände aufgebaut, aber schon die Schusssimulationen oder Schreie der Übungsteilnehmer können Reisende verunsichern, heißt es in der Pressemitteilung.

"Es gilt, alles auf den Prüfstand zu stellen und gegebenenfalls nachzubessern", macht der Inspekteur der Landespolizei M-V, Nils Hoffmann-Ritterbusch, gleich zu Beginn der Auftaktpressekonferenz von Bundes- und Landespolizei im Rostocker Rathaus deutlich. "Das ist eine Herausforderung, der wir uns als professionelle Sicherheitsbehörde stellen müssen. Nur so erreichen wir eine Handlungssicherheit, die die Menschen in solchen Situationen zu Recht von uns erwarten."

"Übungen kommen immer zur falschen Zeit. Aber das gemeinsame Üben für einen denkbaren Ernstfall ist unerlässlich - insbesondere mit mehreren Partnern", unterstreicht Senator Dr. Chris von Wrycz Rekowski. "Das Schminkteam des Deutschen Roten Kreuzes wird für eine drastische Optik sorgen. Optisch und akustisch könnte der Eindruck von Gefahr entstehen. Aber: Von dieser Übung geht aber keinerlei Gefahr aus! Sie soll Risiken minimieren helfen."

"Abläufe, die funktionieren sollen, müssen geübt werden. Anlässe, die nur selten auftreten, aber ein hohes Gefahrenpotential beinhalten, erfordern einen höheren Übungsaufwand.", so Polizeidirektor Uwe Reis, Leiter des Vorbereitungsteams der Bundespolizei.

An dem Abend wird das Vorgehen gegen terroristische Täter sowie die Rettung und Versorgung Verletzter im Zusammenspiel der zahlreichen Akteure in einer komplexen und lebensbedrohlichen Einsatzlage unter realistischen Bedingungen trainiert. Was genau passieren wird, mit welchen Szenarien die Mitarbeiter von Bundes- und Landespolizei in der Nacht genau konfrontiert werden, weiß nur ein kleiner Kreis.

Achtung Reisende: Für die Großübung mit 1000 Einsatzkräften werden die Bahnsteige 4 bis 11 des Rostocker Hauptbahnhofs, der Ausgang Süd und der Albrecht-Kossel-Platz am 26. September von 20 Uhr bis 27. September 4 Uhr gesperrt. Zur Information der Reisenden werden im Hauptbahnhof und in den ankommenden Zügen Durchsagen erfolgen. Zusätzlich werden Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG vor Ort Fragen zu beantworten.

In Berlin hingegen sprengte sich bei der Übung am Dienstag ein Selbstmordattentäter in einem vollem Kinosaal in die Luft. Auf die flüchtenden Überlebenden schießen zwei Attentäter. Ein Kinobesucher wird als Geisel genommen, der Attentäter schießt auf Polizisten und wird vom Spezialeinsatzkommando überwältigt. Am Ende gibt es 20 Tote und 20 Verletzte. Bei der Explosion wurde auch das hochgiftige Gift Rizin freigesetzt, heißt es in einem kurz darauf veröffentlichten Bekennervideo. Am Mittwoch wurde eine vorgesehene Festnahme durch Spezialkräfte der Bundespolizei in einer Polizeidienststelle geprobt, am Donnerstag die kriminaltechnische Untersuchung einer Gartenlaube, die von den Tätern zur Herstellung der Biobombe genutzt wird.

Robert-Koch-Institut (RKI), Charité, Bundeswehr, Bundeskriminalamt, Generalbundesanwalt, Generalstaatsanwaltschaft, Feuerwehr, Bundespolizei und Berliner Polizei haben hier die Zusammenarbeit geprobt und auch Beobachter aus anderen Ländern und das FBI haben sich die Übungen angeschaut. „Vieles hat gut funktioniert“, so Karsten Göwecke, stellvertretender Feuerwehrchef. Die Dekontamination von Schwerstverletzten ist aber eben noch kein Standard. „Die Patienten können nicht wie im Tagesgeschäft in eine Klinik gebracht werden“, so der Vize-Chef. „Zudem braucht es eine Nachweismöglichkeit biologischer Stoffe für die zuerst eintreffenden Kräfte.“ Auch die Kommunikation zwischen allen Beteiligten sei extrem herausfordernd. Da jede Institution sonst für seinen eigenen Aufgaben nachgeht, müssten die Fähigkeiten der verschiedenen Einrichtungen gebündelt und in der Praxis erprobt werden.

Bilder

Archiv_DariuszSankowsk
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