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Mehr Herzkranke in Brandenburg als im Bundesdurchschnitt

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 03.10.2022 / 08:41 Uhr von eb
In Brandenburg sind mehr Menschen von der Koronaren Herzkrankheit betroffen als im bundesweiten Durchschnitt: Mit einer Krankheitshäufigkeit von 10,1 Prozent in der Bevölkerung ab 30 Jahren liegt Brandenburg deutlich über dem bundesweiten Durchschnittswert von 8,3 Prozent. Das zeigt der aktuelle „Gesundheitsatlas Koronare Herzkrankheit“, den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) im Vorfeld des Weltherztages am 29. September veröffentlicht hat.

Der Gesundheitsatlas stellt die regionalen Unterschiede in Brandenburg bis auf die Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte dar. Der niedrigste Anteil an Patientinnen und Patienten mit einer Koronaren Herzkrankheit (KHK) findet sich mit 7,6 Prozent in der Landeshauptstadt Potsdam. „Dieser Wert liegt unter dem Durchschnitt vergleichbarer Großstädte und unter dem Bundesdurchschnitt“, sagt Heike Thielmann, Leiterin im Cluster Versorgung bei der AOK Nordost. Am stärksten betroffen ist der Landkreis Prignitz: Dort ist bei 13,4 Prozent der Menschen eine Koronare Herzkrankheit diagnostiziert worden.

Insgesamt 193.000 Menschen in Brandenburg an einer KHK erkrankt
Insgesamt waren in Brandenburg im Auswertungsjahr 2020 rund 193.000 Menschen ab 30 Jahren an einer KHK erkrankt. Die Krankheitshäufigkeit steigt mit zunehmendem Alter deutlich an. Die höchsten Werte werden in Brandenburg in der Altersgruppe ab 90 Jahren erreicht: Bei den Männern sind 50,3 Prozent und bei den Frauen 36,8 Prozent dieser Altersgruppe von KHK betroffen. Grundsätzlich wird deutlich, dass Männer in jeder Altersgruppe häufiger an KHK erkranken als Frauen. Die Krankheitshäufigkeit in Brandenburg liegt in allen Altersgruppen über dem Bundesdurchschnitt.

„Dass Männer häufiger an einer Koronaren Herzkrankheit erkranken, ist neben biologischen Faktoren auch durch den höheren Raucheranteil zu erklären“, so Thielmann. „Rauchen ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung einer KHK, und in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten war der Raucheranteil unter den Männern immer deutlich höher als unter den Frauen.“ Der Zusammenhang zwischen KHK und Rauchen spiegelt sich auch in der regionalen Auswertung des Gesundheitsatlas wider: In Regionen mit besonders vielen Rauchenden liegt der Anteil der KHK-Patientinnen und -Patienten bei 9,3 Prozent, in Regionen mit wenigen Rauchenden dagegen bei nur 7,4 Prozent. Dieser Unterschied bleibt auch bestehen, wenn in einem „fairen“ Vergleich unterschiedliche Alters- und Geschlechtsstrukturen berücksichtigt werden. „Analysen des Gesundheitsatlas bestätigen zudem, dass materiell und sozial benachteiligte Menschen häufiger von einer Koronaren Herzkrankheit betroffen sind als Menschen mit einem hohen sozialen Status“, so Thielmann.

Zusammenhang zwischen KHK und Bluthochdruck
Auch der Zusammenhang zwischen KHK und Bluthochdruck zeigt sich in den regionalen Auswertungen. So lag der KHK-Patientenanteil in den deutschen Regionen mit den wenigsten Bluthochdruck-Patientinnen und -Patienten bei 6,7 Prozent, in Regionen mit besonders vielen Hypertonie-Erkrankten dagegen bei 11,2 Prozent. „In fast allen Kreisen und kreisfreien Städten in Brandenburg ist eine überdurchschnittliche Hypertonie-Häufigkeit zu verzeichnen – und damit auch ein besonders hoher Anteil von KHK-Patientinnen und -Patienten. Unter dem Durchschnitt liegt lediglich Potsdam“, sagt Heike Thielmann von der AOK Nordost. Außerdem zeigt der Gesundheitsatlas einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Diabetes mellitus Typ 2 und Koronarer Herzkrankheit.

Strukturierte Behandlung für eine bessere Kontrolle der Erkrankung
Die AOK Nordost engagiert sich seit Jahren für eine bessere und strukturierte medizinische Versorgung ihrer Versicherten mit Koronarer Herzkrankheit. So ist das Disease-Management-Programm (DMP) „AOK-Curaplan“ für KHKPatientinnen und -Patienten seit fast 20 Jahren ein fester Bestandteil der Versorgung. Aktuell sind 37.561 Versicherte der AOK Nordost in Brandenburg in dieses Programm eingeschrieben. „Auffällig ist, dass - auch GKV-weit, deutlich weniger Menschen an den DMP teilnehmen, als es Erkrankte gibt, nämlich nur rund die Hälfte. Der Gesundheitsatlas zeigt hier einen offenen Bedarf. Hier sind die Ärztinnen und Ärzte gefragt, ihre Patientinnen und Patienten noch besser über den Nutzen des DMP zu informieren“, sagt Thielmann. Ziel des DMP ist es, bei den eingeschriebenen Patientinnen und Patienten durch regelmäßige ärztliche Behandlungen und das Vereinbaren individueller Therapieziele das Herzinfarkt-Risiko und die Sterblichkeit zu senken und die Lebensqualität zu erhalten. Krankheitsbedingte Beschwerden aufgrund von Angina-pectoris-Anfällen wie Engegefühl in der Brust oder Luftnot sollen so weit wie möglich reduziert werden. Um das zu erreichen, steht auch ein herzgesunder Lebensstil mit vermehrter Bewegung und gesunder Ernährung im Fokus des AOK-Behandlungsprogramms. Dazu gehören auch Beratungsangebote und Hilfen zum Rauchverzicht.

Innovatives Verfahren ermöglicht Aussagen auf lokaler Ebene
Für den Gesundheitsatlas ist ein Hochrechnungsverfahren zum Einsatz gekommen, das für diesen Zweck vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) in Zusammenarbeit mit der Universität Trier entwickelt worden ist. Es erlaubt auf Basis der Abrechnungsdaten der AOK-Versicherten zuverlässige Aussagen zu Krankheitshäufigkeiten in der gesamten Wohnbevölkerung Deutschlands bis auf die lokale Ebene. Unterschiede zwischen den AOK-Versicherten und der Gesamtbevölkerung in Bezug auf Alter, Geschlecht und Krankheitshäufigkeit werden dabei durch ein innovatives statistisches Verfahren herausgerechnet. Ziel der Analysen des Gesundheitsatlas ist es, den Akteuren vor Ort fundierte Informationen über das Krankheitsgeschehen in ihrer Region bereitzustellen. In die Analyse einbezogen wurden Personen ab 30 Jahren mit einer ärztlichen KHK-Diagnose oder einem spezifischen Eingriff an den Herzkranzgefäßen.

Koronare Herzkrankheit:
Die Koronare Herzkrankheit ist eine chronisch verlaufende Erkrankung, bei der atherosklerotische Ablagerungen zu einer Verengung in den Herzkranzgefäßen mit der Folge eines verringerten Blutflusses führen. Daraus resultiert ein Missverhältnis zwischen Sauerstoffbedarf und -angebot im Herzmuskel. Im akuten Zustand spüren Patientinnen und Patienten die Koronare Herzerkrankung als Angina-pectoris-Anfall oder schlimmstenfalls als Herzinfarkt.

Der „Gesundheitsatlas Koronare Herzkrankheit“ steht auf der Website des WIdO zum kostenlosen Download zur Verfügung: [Klick]

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