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Brandenburgische Unternehmen protestieren vor dem Landtag

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 17.11.2022 / 14:37 Uhr von at/pm
Dem Inhaber der Bäckerei Exner, Tobias Exner machen die gestiegenen Energiepreise und damit verbundenen Auswirkungen Sorge : „Das Bäckerhandwerk und damit auch mein Unternehmen verbraucht bei jedem Arbeitsgang Energie. Bereits mit dem Aufschließen der Tür um 4 Uhr morgens tickt der Zähler. Dazu steigen die Preise für Mehl, Gewürze und andere Zutaten jeden Monat. Meinen treuen Kunden in den Filialen kann ich doch kein Brötchen für 2 Euro anbieten, dann kauft niemand mehr. Dass was wirklich helfen wird ist, dass Menschen in unsere Filialen kommen und möglichst ihren gesamten Bedarf an Backwaren bei uns kaufen. Vielleicht ist das ein bisschen teurer, aber das Geld bleibt in der Region und wird wieder hier investiert.“ Exner hat sich nun einer gemeinsamen Initiative von brandenburgischen Unternehmen der Ernährungswirtschaft zusammengeschlossen, um an die Solidarität der Verbraucher zu appellieren und auf Defizite in der bisherigen Politik aufmerksam zu machen.

Aufgrund der rasenden Inflation und vielen Ängsten von Menschen vor den Kostensteigerungen werden immer weniger regionale Lebensmittel eingekauft. Für die brandenburgischen Lebensmittelhersteller, überwiegend Familienunternehmen, ist das ein Dilemma, denn zu den explorierenden Kosten brechen jetzt auch wichtige Umsätze weg. Und obwohl in der Landespolitik der Begriff regionale Wertschöpfungsketten sogar im Koalitionsvertrag auftaucht, gibt es große Defizite im realen politischen Handeln. Mit der Aktionskampagne „Regionale Lebensmittel kaufen – jetzt erst recht!“ wollen die Unternehmen darauf aufmerksam machen.

„Als Unternehmerinnen und Unternehmer der Lebensmittelerzeugung haben wir es in der Regel mit drei Ministerien zu tun: Das eine kümmert sich um Landwirtschaft, das andere um Ernährungsstrategien und Verbraucherschutz und schlussendlich das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie um die Wirtschaftsförderung in der Verarbeitungsindustrie. Ob in der aktuellen Energie- und Wirtschaftskrise oder bei dem zukunftsorientierten Ausbau regionaler Lebensmittelproduktion – hier stimmen die notwendigen Nahtstellen und Förderinstrumentarien nicht.“ beschreibt Sebastian Kühn ein grundlegendes Dilemma im Miteinander von Wirtschaft und Politik in Brandenburg.

In einem Positionspapier formulieren die Unternehmen den klaren Wunsch, eine übergreifende Task-Force „Zukunft Ernährungswirtschaft“ über alle drei Ministerien hinweg zu installieren, die in der Zusammenarbeit mit Unternehmen und Handel an Zukunftslösungen arbeitet. Dabei soll die ideologische Trennlinie zwischen klassisch und ökologisch erzeugten Produkten endlich aufgegeben werden, da die Unternehmen in der Praxis der Lebensmittelproduktion bereits seit vielen Jahren eng kooperieren.

„Als ersten Schritt erwarten wir von den politischen Kräften in unserem Bundesland die Ernährungswirtschaft gleichgewichtig zu anderen Branchen der technischen Industrie zu bewerten. Natürlich bietet unsere Branchenstruktur nicht tausende Arbeitsplätze in einer Fabrik. In der Fläche aber sind über 50.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Produktionsprozess vom Feld auf den Teller in Brandenburg beschäftigt. Mehr Regionalität in einer Modellregion Berlin/Brandenburg würde auch 100.000 Arbeitsplätze erzeugen – dafür benötigen wir aber eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik für die Lebensmittelproduzenten, ob Handwerk oder industrieller Mittelstand.“ untermauert Tobias Exner, Inhaber der Exner Bäckereien mit vielen Filialen in der Hauptstadtregion, das zweiseitige Positionspapier der Unternehmer.

Um den aktuellen Absatzeinbußen der regionalen Produzenten zu begegnen, wurde von den Unternehmen eine Aktionskampagne in Richtung Verbraucher gestartet. Beim Solidaritätsdialog mit den Landtagsabgeordneten wurde daher auch die Erwartung geäußert, das Politiker als Botschafter des Leitmotivs in ihren Wahlkreisen für den Griff zu regionalen Lebensmitteln werben sollen, ob im Supermarkt, Hofladen oder auf dem Wochenmarkt.

„In der existentiellen Krise unserer Unternehmen muss „Regionale Lebensmittel kaufen – jetzt erst recht! auch zur kommunikativen Kernbotschaft der Brandenburg Halle auf der Grünen Woche 2023 werden. Wir können nicht einfach auf ländliche Idylle und Romantik setzen, während zahlreiche Unternehmen aufgrund der Kostenexplosion für Energie, Rohstoffe, Verpackung, Transport und Personal um das Überleben kämpfen. Wertschätzung hat etwas mit Verbindlichkeit und Kaufbereitschaft für regionale Produkte zu tun.“ wirft Hanka Mittelstädt, Inhaberin der Ucker-Ei, bereits den Blick in die dritte Januarwoche 2023.

Unternehmen der Initiativgruppe sind Ucker-Ei, Bäckerei Exner, Werder Frucht, Löwendorfer Geflügelhof, Eberswalder Wurst, Sandorn - Christine Berger, Ökodorf Brodowin, Golßener Fleisch- und Wurstwaren, Hemme Milch, Gut Schmerwitz und der Spargelhof Klaistow.

Mehr Hintergründe zu allen Unternehmen und deren Argumenten findet man auf [regional-jetzt.de]

Bilder

© pro agro e.V.
MinVogel_BaeckerExner © pro agro e.V.
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