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Kassenärztliche Vereinigung reagiert auf Mammographie-Kritik: "KVBB verhindert keine Versorgung" / GZB hält dagegen: "Man nimmt in Kauf, dass die Versorgung leidet"

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 24.11.2022 / 08:57 Uhr von pre/cg1
[Die Entscheidung des KVBB-Berufungsausschusses, dass das Gesundheitszentrum Brandenburg keine ambulanten Mammographien anbieten darf], hat für ordentlichen Unmut beim Universitätsklinikum Brandenburg und bei vielen Patientinnen gesorgt. Nun wehrt sich die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) gegen die Kritik von Klinik-Geschäftsführerin Gabriele Wolter. „Den Vorwurf des Universitätsklinikums Brandenburg an der Havel, die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg würde die ambulante Mammographie-Versorgung von Patientinnen verhindern, weisen wir entschieden zurück“, stellt der KVBB-Vorstand klar. Warum genau das Gesundheitszentrum die Mammographie nicht anbieten darf, das will die KVBB auf Meetingpoint-Anfrage allerdings nicht beantworten.

Auch weitere konkrete Fragen lässt die KVBB unbeantwortet. Meetingpoint wollte zum Beispiel wissen:
- Ist es für die KVBB ethisch vertretbar, dass Frauen in Sachen Mammographie nun deutlich weitere Wege und längere Wartezeiten bis zu einem Termin in Kauf nehmen müssen, obwohl mit der GZB-Lösung kürzere Wartezeiten und örtlich nähere Untersuchungen möglich wären?
- Was sagt die KVBB zum Vorwurf der Klinik-Mediziner, dass die längeren Wartezeiten für betroffene Patientinnen sogar eine Verschlechterung der Behandlungserfolge bedeuten können?

Statt die Fragen zu beantworten, verschickte die KVBB am Dienstag eine Pressemitteilung, die Kritik aus der Havelstadt wird darin zurückgewiesen. Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung betont: "Der Berufungsausschuss ist kein Gremium der KVBB, sondern trifft seine Entscheidungen unabhängig. Wir haben keinen Einfluss darauf!"

Die aktuelle Ausschuss-Entscheidung vom 15. November zur ambulanten Mammographie-Versorgung bedaure die KVBB sehr, heißt es in der Pressemitteilung weiter. „Wir wollen zusammen mit allen Akteuren eine dauerhafte Lösung im Sinne der Patientinnen finden. Deshalb würden wir uns freuen, wenn das Universitätsklinikum Brandenburg an der Havel schnell die Ermächtigung eines Klinikarztes zur Erbringung der ambulanten Mammographie beim Zulassungsausschuss beantragen würde – wie es andere Krankenhäuser mit Brustzentrum auch schon getan haben. Aus dem Berufungsausschuss hat die KVBB erfahren, dass dem MVZ auf der jüngsten Sitzung sogar ein Vorschlag unterbreitet wurde, wie Mammographien auch weiterhin angeboten werden können. Dieser wurde von dem MVZ allerdings abgelehnt."

Dazu hat Milena Schaeffer-Kurepkat, die Geschäftsführerin des Gesundheitszentrums am Hauptbahnhof, eine andere Sicht der Dinge: "Die Ermächtigung ist keine gute Lösung. Sie ist zeitlich befristet, kann widerrufen werden und ist nichts, worauf man eine dauerhafte Mammographie aufbauen kann." Sinnvoll sei ein derartiges Konstrukt allenfalls bei Einzelfällen, so ihre Einschätzung, aber gerade das sei in Brandenburg nicht der Fall. "Wir reden von 3.000 bis 4.000 Patienten pro Jahr, bei steigender Tendenz." Das Grundproblem: Das Klinikum beziehungsweise GZB beantragt eine weitere radiologische Zulassung, innerhalb dieser könnten die Mammographie-Untersuchungen abgebildet werden. Da auf dem Papier die radiologische Versorgung hier allerdings gedeckt ist, führt bisher kein Weg zu einer Lösung. “Man nimmt in Kauf, dass die Versorgung leidet”, so Milena Schaeffer-Kurepkat.

Und wie geht es nun weiter? Das GZB könnte den Klageweg prüfen, das würde allerdings viel Zeit in Anspruch nehmen und wäre keine Hilfe für die Patientinnen. Weitere Varianten wären, dass der Berufungsausschuss seine Sicht auf die Dinge ändert oder dass das Klinikum die Mini-Variante der Ermächtigung beantragt.

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