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"Potsdam Exklusiv" auf Meetingpoint: #57 Erotik und Sex im Alter - Dresen-Film „Wolke 9“ im Filmgespräch

Potsdam Exklusiv
  • Erstellt: 11.02.2024 / 16:01 Uhr von Potsdam Exklusiv
Am Samstagabend fand ein neues Filmgespräch im Filmmuseum Potsdam statt und bot zum 301. Mal eine wunderbare Gelegenheit mit jenen Leuten in Kontakt zu kommen, die vor und hinter der Kamera gewirkt haben. Im 301. Filmgespräch war es Ursula Werner, die im Gespräch mit Knut Elstermann auf den Dreh des Filmes „Wolke 9“ zurückblickte. Dieser Film aus dem Jahr 2008 behandelt das Thema Sex im Alter, das vor 15 Jahren stärker tabuisiert war als heute. So ist es mutig vom Filmregisseur Andreas Dresen gewesen, die Erotik als Teil des Lebens, der auch jenseits der 65 eine Rolle spielt, zu zeigen, ist sich Ursula Werner sicher.

Denn Schmetterlinge im Bauch können Menschen aller Altersklassen „befallen“ und das sei doch schön. Immer noch denken gerade Leute um die 20, dass die Erotik mit 40 aufhört. Dem ist aber nicht so, wie die Protagonisten des Filmes zeigen und wie es verschiedene Studien belegen. „Tatsächlich gibt etwa jeder dritte Mann zwischen 70 und 79 Jahren an, sexuell aktiv zu sein, bei den Frauen sind es noch mehr“, heißt es dazu auf der AOK-Website.
Die damals 65-jährige Ursula Werner hatte die Hauptrolle in dem Film am Telefon von Dresen angeboten bekommen, erinnerte sie sich. „Ohne lange nachzudenken, habe ich ‚Ja‘ gesagt! Aber er hat mir noch eine halbe Woche Bedenkzeit gegeben, ob es denn bei dem ‚Ja‘ bleibt.“ Und bei dem Ja blieb es, denn Ursula Werner fand das Thema wichtig.
Für den Film gab es kein Drehbuch, die Texte im Spielverlauf ergaben sich, es wurde improvisiert. Der Produktionsprozess verlief ähnlich wie beim Dresen-Film „Halbe Treppe“. Die Biografien der drei Hauptdarsteller, nämlich die der Inge (Ursula Werner), die zwischen dem 76-jährigen Karl (Horst Westphal), ihrem neuen Geliebten, und Werner, (Horst Rehberg) ihrem Ehemann seit 30 Jahren, steht, haben sie in wöchentlichen Vorgesprächen zusammen mit Andreas Dresen entwickelt.
Diese Vorbereitung sei wichtig gewesen, um sich besser in die Figuren hineindenken zu können, führte Werner, die 1943 in Eberswalde geboren wurde, aus. Letztlich geht es in dem Film um Menschen mit Konflikten.
Entstanden sei ein sorgsamer Film, der auf genauen Beobachtungen beruhe, so Elstermann. Auch etliche erotische Szenen sind zu sehen, die Menschen zeigen, in deren Körper schon Leben eingeschrieben ist. „Und das muss man nicht verstecken, denn was gibt es da zu verheimlichen?“, fragte Werner, die von 1974 bis 2009 festes Ensemblemitglied des Maxim-Gorki-Theater in Berlin war.
Der Film wurde ein großer Erfolg, und war letztlich auch bei den Filmfestspielen in Cannes nominiert. Anfänglich sei der Film für eine Palme vorgesehen gewesen, aber jemand mischte sich ein, weshalb der Film vertrieben worden sei. „Das war gemein, wir waren ja vorgesehen für den Wettbewerb. Dresen wollte schon absagen“, erinnerte sich Werner.
Aber dann erhielt der Film in Cannes den Coup-de-Cœur-Preis, den Preis der Herzen. Zehn Minuten lang währte der Beifall, nachdem der Film gezeigt wurde.
Ursula Werner ist mittlerweile 80 Jahre alt und übernimmt immer noch größere wie kleinere Rollen sowohl im Film als auch auf der Theaterbühne. Was ist ihr Lebensgeheimnis für soviel Energie, fragte Knut Elstermann. „Ich bin frei von Zynismus, ich habe Freude daran, sämtliche Krankheiten abzulehnen“, so Ursula Werner. Die Schauspielerin lebt in Berlin im Prenzlauer Berg mit sieben Katzen.

[Potsdam Exklusiv] ist dabei - bei den außergewöhnlichen Shows, den großen Bällen, wichtigen Events, am Tisch interessanter Menschen. Ab sofort gibt es davon auch regelmäßig Einblicke auf Meetingpoint Potsdam - ganz exklusiv.

Bilder

Foto: Potsdam Exklusiv
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