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Potsdam Orcas schaffen Sensation im blu: Erstmals in der Vereinshistorie gewinnt Potsdam gegen die Profis von Spandau 04

Sport
  • Erstellt: 13.05.2024 / 18:01 Uhr von André Laube
Die jeweils ersten Halbfinal-Partien der Wasserball-Bundesliga-Playoffs brachten in den „Best-of-three“-Serien allesamt enge Spiele. Das 8:6 vom Hauptrunden-Zweiten Waspo 98 Hannover beim -Dritten ASC Duisburg war dabei tatsächlich das „deutlichste“ Ergebnis. Die SV Krefeld (8.) gegen die White Sharks Hannover (5.) musste sich erst im Fünf-Meter-Werfen (13:14) geschlagen geben. Der SV Ludwigsburg 08 (6.) setzte sich beim Siebten SG Neukölln (7.) mit 11:10 durch.
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Während aber in diesen drei Duellen jeweils der Favorit die Nase vorn behielt, kam es im Potsdamer Sport- und Freizeitbad blu tatsächlich zur Sensation. Das junge, unbekümmerte Team der Potsdam Orcas siegte erstmals in der Vereinshistorie gegen den Liga-Primus und Serienmeister Wasserfreunde Spandau 04 mit 10:9 (3:4, 2:2, 4:3, 1:0). „Das ist historisch, unfassbar, einfach schön und aktuell noch gar nicht richtig zu glauben“, so André Laube, sportlicher Leiter der Orcas. Tatsächlich gelang es außer dem Dauerrivalen Waspo Hannover in den letzten 30 Jahren lediglich dem SV Cannstatt (2006) und dem ASC Duisburg (2013) als deutschen Clubs die Spandauer zu besiegen. „Das ist wirklich etwas ganz Besonderes und macht uns unglaublich stolz“, sagte Dr. Lars Götz, Wasserball-Abteilungsleiter im OSC Potsdam.

Die Vorzeichen für diese gigantische Überraschung konnten eigentlich schlechter nicht stehen. Mit schweren grippalen Infekten fehlten die Potsdamer Linksaußen Arne Hofmann und Florian Burger; weitere Akteure stellten sich trotz Erkältung dem Match. Der erst 15-jährige Marian Kob kam zu seinem ersten Bundesliga-Auftritt, weil Coach Alexander Tchigir die Spieler ausgingen. Kob bot dann sogar eine exzellente Vorstellung; erkämpfte einen Strafwurf, den Till Hofmann zum 9:9-Ausgleich verwandelte; bediente mit tollem Pass Konstantin Hüppe, der zum 4:5-Anschluss traf. Ausnahmeakteur allerdings war Antonio Vukojevic im Potsdamer Tor. „Eine absolute Weltklasse-Leistung“, bescheinigte dem Laube. Der 24-jährige Kroate brachte die Spieler Spandaus zur Verzweiflung, parierte ein ums andere Mal in aussichtslosten Situationen. „Spandau kann sich nächstes Jahr auf einen tollen Keeper freuen“, so Götz, der den Wechsel nach Berlin zur kommenden Saison bestätigte.

„Ich kann das kaum in Worte fassen“, so Potsdams Kapitän Ferdinand Korbel, der neben Vukojevic auffälligste Spieler der Partie und mit drei Toren bester Werfer der Orcas. „Wir haben mit diesem historischen Sieg gezeigt, was mit einem soliden Mix aus jugendlichem Leichtsinn und Erfahrung möglich ist. An diesem Erfolg haben so viele Spieler der vergangenen Jahre einen erheblichen Anteil. Es ist einfach ein Sieg des kompletten Vereins.“

Die Partie begann standesgemäß. Gleich den ersten Angriff verwandelten die Gäste fast mühelos zum 1:0. Mit einem Hammer aus der zweiten Reihe markierte Till Hofmann aber prompt den Ausgleich. Nach 1:2-Rückstand brachten Finn Taubert und Korbel die Potsdamer erstmals in Front; beim Stand von 3:4 ging es ins zweite Viertel. Dort trafen Hüppe (4:5) und Korbel (5:6), ehe sich Fynn Klaffke zu Beginn der zweiten Halbzeit ein Herz nahm und aus der Distanz zum 6:6 traf. Korbel wuchtete den Ball aus der Centerposition zum 7:6 ins Tor und die Tribüne des blu stand Kopf. Zwar kamen die Berliner nun wieder zu zwei Treffern, doch jeweils per Strafwurf markierten Hüppe das 8:8 und Hofmann das 9:9. Im Schlussviertel krönte der später selbstverständlich zum „Spieler des Tages“ gekürte Vukojevic seine Leistung. Zwischendurch wirkten die Angreifer des Euro Cup-„Final 4“-Qualifikaten Spandau 04 regelrecht ängstlich und ließen beste Chancen liegen. Potsdam hingegen verwandelte durch Matija Zezelj 75 Sekunden vor Schluss zum 10:9 und hielt diesen Vorsprung bis zum Abpfiff fest.

„Jeder einzelne der Mannschaft hat alles im Wasser gelassen, was er hat“, sagte ein sichtlich gerührter Vukojevic. „Das ist unglaublich und ein Moment zum Genießen.“ Den Illusionen, solch einen Coup noch einmal zu vollbringen, gibt sich in Potsdam indes niemand hin. Am 25. und 26. Mai stehen Spiel zwei und drei der Serie in Berlin an. „Wir wollen aber zeigen, dass wir uns nicht auf diesem Sieg ausruhen, und werden erneut erbittert kämpfen“, so Korbel. „Egal, wie diese Serie ausgeht, haben wir schon jetzt gewonnen.“

Potsdam: Torhüter Antonio Vukojevic/Joel Limprecht, Konstantin Hüppe (2), Finn Taubert (1), Matija Zezlj (1), Felix Korbel, Tyler Kugler, Fynn Klaffke (1), Matti Arnold, Ferdinand Korbel (3), Till Hofmann (2), Marian Kob, Lu Meo Ulrich

Bilder

Turm in der Schlacht: Potsdams Antonio Vukojevic war für Spandau nur neunmal zu überwinden. Foto: S.Seifert
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