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Mehr Betriebe, weniger Meister: Handwerk wächst mit Bruchstellen

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 07.01.2026 / 08:01 Uhr von hvf
Die Zahl der Handwerksbetriebe in Westbrandenburg ist im vergangenen Jahr gestiegen, so informiert die Handwerkskammer Potsdam. Im hiesigen Bezirk wurden im vergangenen Jahr insgesamt 17.522 Betriebe gemeldet, 159 Betriebe mehr als noch 2024.

Bewegung gab es besonders bei den Gründungen und Löschungen. So wurden im Jahr 2025 1.550 Betriebe neu eingetragen, etwas mehr als noch 2024 (1.343). Gleichzeitig nahm jedoch auch die Zahl der Löschungen leicht zu, blieb mit 1.391 Betrieben jedoch unter den Neuanmeldungen.

Regional zeigte sich laut weiteren Angaben ein differenziertes Bild. Die stärksten Zuwächse verzeichneten der Landkreis Havelland (+2,6 Prozent), die Landeshauptstadt Potsdam (+1,5 Prozent) und der Landkreis Oberhavel (+1,4 Prozent). Leichte Anstiege gab es unter anderem in Brandenburg an der Havel (+0,5 Prozent) und der Prignitz (+0,2 Prozent). In Potsdam-Mittelmark stagnierten die Zahlen, in Ostprignitz-Ruppin waren sie mit -0,1 Prozent leicht rückläufig.

Trotz des Gesamtwachstums ging die Zahl der zulassungspflichtigen Handwerke, für deren Ausübung ein Qualifikationsnachweis notwendig ist, mit 10.506 Betrieben um etwa 200 Betriebe zurück. Zuwächse gab es hingegen bei den zulassungsfreien Handwerken mit 5.132 Betrieben (2024: 4.802) und den handwerksähnlichen Gewerben mit 1.884 Betrieben (2024: 1.853).

Hauptgeschäftsführer Ralph Bührig sieht darin eine zentrale Herausforderung: "Uns fehlen qualifizierte Gründungen. Viele Betriebe schließen altersbedingt ohne Nachfolge, und neue Unternehmen entstehen häufig ohne fachliche Grundlagen, die für tragfähige Geschäftsmodelle im Handwerk notwendig sind."

Es brauche laut Bührig gezielte Anreize für qualifizierte Gründungen – von einer verlässlichen Förderung der Meisterausbildung über weniger Bürokratie bis hin zu besseren Bedingungen für die Betriebsführung.

"Das Handwerk erwartet deshalb klare Prioritäten: weniger Belastungen, mehr Verlässlichkeit und eine Stärkung der beruflichen Bildung. Ohne diese Weichenstellungen droht wertvolle handwerkliche Kompetenz verloren zu gehen", so Ralph Bührig abschließend.

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