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Erinnerung an ein düsteres Kapitel der Medizingeschichte

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 09.01.2026 / 13:01 Uhr von ant
Mit einer Wanderausstellung erinnert die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) an ein düsteres Kapitel der Medizingeschichte. Unter dem Titel „Systemerkrankung. Arzt und Patient im Nationalsozialismus“ wird seit gestern bis zum 25. Februar in der Potsdamer KVBB-Geschäftsstelle (Pappelallee 5) gezeigt, wie Ärzte, Patienten und die ärztliche Selbstverwaltung im Nationalsozialismus verstrickt waren.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Schicksale jüdischer Ärzte, entrechteter Patienten sowie die Rolle der damaligen Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands (KVD). Dokumente, Fotografien und historische Texte zeigen, wie systematisch Juden aus dem Gesundheitswesen verdrängt wurden – und wie Mediziner selbst zu Tätern wurden, etwa bei Zwangssterilisationen, Krankenmorden und Menschenversuchen.

Besonders eindrücklich ist das Beispiel des Hamburger Frauenarztes Adolph Calmann, dem 1938 die Approbation entzogen wurde. Der Fall steht stellvertretend für viele, die durch den NS-Terror ihre Existenz verloren. Gleichzeitig erinnert die Schau auch an jene, die Menschlichkeit bewahrten – wie das Berliner Ehepaar Auguste und Karl Gehre, das seinen jüdischen Arzt Dr. Arthur Arndt und dessen Familie unter großen Risiken vor der Deportation schützte.

Die Ausstellung basiert auf einem Forschungsprojekt des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) an der Technischen Universität Berlin. Im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) schätzten Wissenschaftler das umfangreiche Archivmaterial der KVD aus und legten die strukturelle Beteiligung der Ärzteschaft am NS-Unrecht offen.

Die Ausstellung ist montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Bilder

Dr. Jouleen Gruhn, Vizepräsidentin des Landtages Brandenburg, beim Besuch der Ausstellung.
Catrin Steiniger, Vorsitzende des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, begrüßt die Gäste.
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