Die Arbeit des regionalen Grundbildungszentrums der Volkshochschule im Bildungsforum Potsdam wird für weitere drei Jahre fortgesetzt, so informiert die Potsdamer Stadtverwaltung. Für den Förderzeitraum 2026 bis 2028 erhält das Grundbildungszentrum rund 470.400 Euro. Zusätzlich stehen 325.260 Euro für Kurse zur Alphabetisierung und Grundbildung zur Verfügung. Die Zuwendungsbescheide übergab Hendrik Fischer, Staatssekretär für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, heute in Potsdam.
Hintergrund der Förderung ist der weiterhin hohe Bedarf an Grundbildungsangeboten. Bundesweit können mehr als 6,2 Millionen Erwachsene nur eingeschränkt lesen und schreiben. In Brandenburg betrifft dies schätzungsweise jede achte Person im Alter zwischen 18 und 64 Jahren. Geringe Schriftsprachkompetenzen wirken sich häufig auf Beschäftigungschancen sowie gesellschaftliche und soziale Teilhabe aus.
Staatssekretär Fischer betonte bei der Übergabe der Fördermittel: „Das Recht auf Bildung darf keine Frage des Alters sein. Alle Erwachsenen im Land Brandenburg, denen das Lesen und Schreiben sehr schwerfällt, sollen die Chance haben, ihre Schriftsprachenkompetenz zu verbessern.“ Das Bildungsministerium fördere derzeit 15 regionale Grundbildungszentren im Land, um Menschen wohnortnah zu erreichen. „Wir setzen den vorgesehenen Ausbau der Grundbildungszentren um und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit“, so Fischer weiter.
Die Förderung von Alphabetisierung und Grundbildung hat in Brandenburg eine längere Tradition. Bereits seit 2006 werden entsprechende Kurse aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds unterstützt. Seit 2025 ergänzen regionale Grundbildungszentren diese Arbeit, um insbesondere schwer erreichbare Zielgruppen anzusprechen. Aktuell bestehen solche Zentren unter anderem in Potsdam, Frankfurt (Oder) sowie in 13 Landkreisen. Im ESF-Förderzeitraum von 2026 bis 2028 stehen landesweit insgesamt rund zwölf Millionen Euro für Grundbildungszentren und Kurse zur Verfügung.
Neben Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds und vom Land Brandenburg unterstützt auch die Landeshauptstadt Potsdam das Grundbildungszentrum. Torsten Wiegel, Beigeordneter für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, erklärte: „Für weitere drei Jahre ist das Grundbildungszentrum als wichtige Anlauf- und Kompetenzstelle für Grundbildung in Potsdam gesichert.“ Erwachsene könnten dort kostenfrei ihre Lese- und Schreibkompetenzen verbessern. Zudem biete das Zentrum Beratung und Sensibilisierung zum Thema Grundbildung an, auch für Mitarbeiter von Unternehmen.
Auch die Leiterin des Grundbildungszentrums, Franziska Tempel, sieht in der Förderung eine Bestätigung der bisherigen Arbeit. „Das ist eine schöne Anerkennung unserer Arbeit. Wir freuen uns sehr darauf, weiter an dieser wichtigen Aufgabe arbeiten zu können“, sagte sie. Zum Angebot gehören offene Lernmöglichkeiten und Kurse zum Lesen, Schreiben und Rechnen sowie zu Alltagskompetenzen, etwa im Umgang mit digitalen Technologien oder in einfachem Englisch. Viele Menschen stünden im Alltag weiterhin vor großen Herausforderungen, etwa beim Lesen von Beipackzetteln oder beim Ausfüllen von Formularen.
VHS-Leiter Dr. Myrtan Xhyra unterstrich die gesellschaftliche Bedeutung der Grundbildung: „Grundbildung ist ein wichtiger Baustein für Chancengleichheit und Teilhabe. Geringe Literalität resultiert oftmals aus mangelnder Leseerfahrung, Sprachbarrieren, Lernschwierigkeiten oder schwierigen Lebenswegen. Niemand soll deshalb stigmatisiert und ausgegrenzt werden.“
Für die neue Förderperiode sind weitere Schritte geplant. Vorgesehen ist unter anderem ein digitales Lerncafé über das VHS-Lernportal, das orts- und zeitunabhängiges Lernen ermöglichen und zugleich die Medienkompetenz stärken soll. Zudem sollen sowohl die Anzahl der Lerncafés als auch die Standorte innerhalb Potsdams erweitert werden.