Gemeinsam mit Annett Reinke von der Verbraucherzentrale Brandenburg diskutierte Bundestagsabgeordnete Christin Willnat (Die Linke), wo die eigentlichen Probleme liegen. Immer wieder kritisiert wurden undurchsichtige Preisgestaltungen, fehlende Herkunftsangaben und sogenannte Mogelpackungen.
Konkrete Beispiele aus dem Alltag machten die Problematik greifbar. So wurde unter anderem die Milka-Schokolade thematisiert: Die Verbraucherzentrale Hamburg hat den Hersteller Mondelez wegen einer verkleinerten Milka-Tafel Alpenmilch von 100 auf 90 Gramm bei nahezu unveränderter Verpackung verklagt. Das Landgericht Bremen wertete das als „relative Mogelpackung“ und Irreführung der Verbraucher und gab der Klage im Mai 2026 statt. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig.
Ein weiterer Kritikpunkt: Rabatt-Apps der Supermärkte. Wer sparen will, müsse oft mehrere Anwendungen nutzen – wer das nicht tut, zahlt drauf. Für viele ein klares Zeichen von Ungleichbehandlung. Gleichzeitig fehle im Alltag oft die Zeit, sich intensiv mit Inhaltsstoffen auseinanderzusetzen.
Auch politische Maßnahmen wurden kontrovers diskutiert. Eine Zuckersteuer etwa fand teils Zustimmung, gleichzeitig aber auch Sorgen vor weiter steigenden Preisen und mehr Ersatzstoffen. Einig war man sich hingegen bei der Forderung nach klareren Kennzeichnungen – sowohl bei Inhaltsstoffen als auch bei Verpackungsgrößen und Herkunft.
Bei der Diskussion wurde auch darüber gesprochen, was als Grundnahrungsmittel gilt. Christin Willnat, die sich im Bundestag für eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel einsetzt, wollte von den Gästen wissen, was für sie persönlich zu diesen Produkten zählt. Genannt wurden unter anderem Obst, Gemüse, Nudeln, Reis, Brot, Trinkwasser sowie Fleisch, Fisch und vegane Alternativen. Orientierung bietet dabei die Lebensmittelpyramide: Unten stehen die Produkte, die häufig und in größeren Mengen konsumiert werden sollten, während weiter oben angesiedelte Lebensmittel nur in Maßen empfohlen werden.
Ein zentrales Thema war außerdem die sogenannte Ernährungsarmut. Viele Menschen könnten sich gesunde Lebensmittel schlicht nicht mehr leisten und griffen daher häufiger zu günstigen Fertigprodukten. „Gesundes Essen darf kein Luxus sein“, war ein Satz, der mehrfach fiel. Angebote wie Koch-Workshops der Verbraucherzentrale sollen hier zumindest praktische Hilfe leisten.
Neben Kritik wurden auch Alternativen vorgestellt: Direktvermarktung über die „Marktschwärmer“, eine Foodsharing-Initiative oder die solidarische Landwirtschaft. Doch auch hier zeigte sich ein Problem: Viele dieser Angebote seien in der Breite kaum bekannt oder schwer zugänglich. Christin Willnat signalisierte den Betreibern der Marktschwärmer und den Foodsharing-Initiatoren in Brandenburg an der Havel, dass sie sich in Zukunft stärker mit diesen Ansätzen auseinandersetzen will.
Am Ende blieb vor allem ein Eindruck: Die Diskussion traf einen Nerv. Die Teilnehmer brachten sich aktiv ein, hörten einander zu und entwickelten gemeinsam Ideen. Der Wunsch nach einer Fortsetzung war deutlich – dann aber breiter gedacht, mit Blick auf die gesamten Lebenshaltungskosten.
Die Bereitschaft zum Dialog ist da. Jetzt geht es darum, ihn weiterzuführen.
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