Vermieter wird das Studierendenwerk Brandenburg:West sein, das die Gesamtimmobilie wiederum von der Pro Potsdam mietet. Die Kooperation zwischen einem kommunalen Wohnungsunternehmen und einem Studierendenwerk gilt dabei als wegweisend – auch mit Blick auf die enge Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg sowie dem Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg.
Bert Nicke, Geschäftsführer der Pro Potsdam, erinnerte beim Spatenstich am 29. Mai an die lange Vorgeschichte des Projekts. Bereits vor rund zehn Jahren begann die Diskussion um das Grundstück. Damals befanden sich dort noch ein Volleyballfeld sowie Teile des ehemaligen BUGA-Geländes, heute Volkspark Potsdam. Lange sei die Frage diskutiert worden, ob an dieser Stelle angesichts möglicher Lärmbelästigungen durch den Park überhaupt gewohnt werden könne. Die Lösung fand man schließlich in der Idee eines Studentenwohnheims. Studierende, so die damalige Überlegung, hätten mit durchschnittlich etwa drei Jahren eine vergleichsweise kurze Verweildauer in Potsdam und seien zudem weniger lärmsensibel.
Bis zum Baubeginn waren zahlreiche Abstimmungen notwendig. Zehn Jahre Planung, Diskussionen in der Stadtverordnetenversammlung, intensive Abstimmungen mit der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), den Ministerien und innerhalb der Pro Potsdam selbst gingen dem Projekt voraus. Nicke dankte ausdrücklich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seines Unternehmens für die umfangreiche Arbeit und lobte zugleich die Zusammenarbeit mit Wissenschaftsministerin Manja Schüle. Mit einem Augenzwinkern sagte er in ihre Richtung: „Ich finde, Sie sind eine coole Ministerin.“
Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 79 Millionen Euro. Davon stammen 75 Millionen Euro aus Fördermitteln, bereitgestellt durch das Wissenschaftsministerium sowie das Infrastrukturministerium des Landes Brandenburg. Die ILB habe dabei flexibel reagiert und die notwendigen Mittel zur Verfügung ausgezahlt.
Timo Grießmann, Verwaltungsleiter des Studierendenwerks Brandenburg:West, machte deutlich, welche Bedeutung bezahlbarer Wohnraum für Studierende inzwischen hat. Ob ein Studium gelingt, entscheide sich oft auch an der Wohnungsfrage. Wenn die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung das Studium überschattet, würden viele Studierende aufgeben. Deshalb sei der Bau neuer Wohnheime dringend notwendig.
Das künftige Wohnheim wird den Namen „Rote Kaserne“ tragen – als Erinnerung an die frühere militärische Nutzung des Geländes, wie Manja Schüle erklärte, und nicht etwa, weil dort militärischer Drill herrschen solle. Zugleich unterstrich sie die politische Dimension des Projekts: Die Wohnungsfrage sei längst auch eine Bildungsfrage geworden. „Deswegen ist dieser Spatenstich auch ein politisches Signal“, sagte Schüle. Schon heute freue sie sich auf die Fertigstellung in rund zweieinhalb Jahren – und bemerkte mit Blick auf die Geschwindigkeit und Größe des Vorhabens, dass das in Brandenburg wohl nur die Pro Potsdam schaffe.
Auch Brandenburgs Infrastrukturminister Robert Crumbach, seit März 2026 im Amt, hob die Bedeutung des Projekts hervor. Jeder zusätzliche Wohnplatz nehme Druck vom angespannten Wohnungsmarkt, erklärte er. Der Neubau sei deshalb zugleich ein Signal für mehr Chancengerechtigkeit.
Potsdams Oberbürgermeisterin Noosha Aubel beschrieb die Attraktivität der Landeshauptstadt als „Fluch und Segen zugleich“. Ohne Attraktivität gebe es keinen Zuzug und gerade deshalb brauche die Stadt ausreichend Wohnraum. Aufgabe der Kommune sei es, alle denkbaren Hebel in Bewegung zu setzen, um neue Wohnungen zu schaffen und den Bestand zu sichern. Gleichzeitig machte sie deutlich, wie unverzichtbar die Fördermittel des Landes für solche Projekte seien. Damit auch künftig zu bezahlbaren Bedingungen gebaut werden könne, brauche es weiterhin starke öffentliche Förderung.
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