Weniger Lenin wagenMinisterpräsident Dr. Dietmar Woidke bezeichnete die wirtschaftliche Lage als „überschaubar schön“, mahnte aber zugleich, nicht in Klagen zu verharren. „Wir sollten nicht so jammern, sondern anpacken“, so, wie es die Handwerkerinnen und Handwerker in Brandenburg seit jeher getan hätten.
Dabei erinnerte er an die frühen 1990er Jahre, als die wirtschaftliche Situation im Land ebenfalls schwierig und von großen Umbrüchen geprägt gewesen sei. Schon damals habe sich gezeigt, dass der Mittelstand und das Handwerk das Rückgrat der Wirtschaft bilden.
Mit Blick auf die Zukunft verwies Woidke auf das Handwerkeraktionsprogramm, das am folgenden Freitag, 5. Juni, unterzeichne wurde. Es bilde den Rahmen, um die Herausforderungen des Handwerks in Brandenburg gezielt anzugehen. In Sachen Bürokratieabbau betonte Woidke, dass in Brandenburg schon einiges erreicht worden sei.
Mit einem Augenzwinkern sagte er: „Wir müssen weniger Lenin wagen.“ Dem sowjetischen Revolutionär werde der Satz zugeschrieben: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Manchmal habe Woidke jedoch den Eindruck, jemand habe Lenin besonders gründlich studiert. Anders sei kaum zu erklären, dass heute mitunter drei Verwaltungsmitarbeiter einem Handwerksmeister auf die Finger schauten, weil das notwendige Vertrauen fehle.
Vertrauen und Verantwortung gehörten zusammen, betonte Woidke. Zudem sei auch der Markt eine Form der Kontrolle: Unternehmen, die dauerhaft keine gute Arbeit leisteten, könnten sich nicht behaupten. Qualität setze sich letztlich durch. Abschließend versicherte der Ministerpräsident, dass die Landesregierung alles tun werde, um das Handwerk zu unterstützen. Zugleich dankte er den Handwerkerinnen und Handwerkern für ihren Einsatz und gratulierte der Handwerkskammer zu ihrem Jubiläum.
Höchste Auszeichnung für Kammerpräsidenten WüstEin besonderer Moment des Abends war die Ehrung von Kammerpräsident Robert Wüst. ZDH‑Präsident Jörg Dittrich verlieh ihm das Handwerkszeichen in Gold, die höchste Auszeichnung des deutschen Handwerks für herausragende Verdienste um die wirtschaftliche Selbstverwaltung und die Belange des Handwerks.
In seiner Laudatio sagte Dittrich: „Wenn jemand dafür steht, wie man Zeitenwenden gestaltet und nicht einfach nur über sich ergehen lässt, dann ist das sicherlich Robert Wüst. Er ist eine prägende Persönlichkeit des Handwerks, die sehr früh Verantwortung übernommen und das Handwerk in Brandenburg modern, agil und sichtbar gemacht hat. Weggehen konnte nach dem Fall der Mauer jeder. Viele haben es auch getan. Aber bleiben, aufbauen, prägen und dazugehören: All das hat Robert Wüst geleistet. Er wirkt nicht nur als Unternehmer und Kammerpräsident mit Tatkraft, Bodenhaftung und ungeheurer Kommunikationsstärke, sondern begeistert besonders junge Menschen für Handwerk und Ehrenamt. Weil er ausstrahlt, wie viel Lebensfreude in diesem Beruf und dem ehrenamtlichen Engagement steckt.“
Handwerk ganz nahMit den vor Ort inszenierten „Erlebniswelten Handwerk“ wurde das westbrandenburgische Handwerk auch in diesem Jahr erlebbar. Innungen und Handwerksbetriebe präsentierten Kulinarisches, Innovatives und Traditionelles. Bäcker, Konditoren, Elektroniker, Fleischer, Gebäudereiniger, Tischler und Dachdecker zeigten beispielhaft, wie vielfältig, leistungsfähig und modern das Handwerk in der Region ist. Gäste konnten Handwerk vor Ort erleben, probieren und mit den Betrieben direkt ins Gespräch kommen.
Zur Geschichte der Handwerkskammer Potsdam1946 wurde die Handwerkskammer Potsdam gegründet. Damit gehört sie zu den jüngeren Kammern in Deutschland, da das brandenburgische Handwerk bis 1945 durch die Berliner Handwerkskammer verwaltet wurde.
Grundlage für die Neugründung war der Befehl Nr. 161 der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland vom 27. Mai 1946, der am 15. Juli 1946 in Kraft trat. Zu DDR-Zeiten dienten die Handwerkskammern der Steuerung, Planung und Kontrolle der handwerklichen Produktionsgenossenschaften (PGH) und der wenigen privaten Handwerksbetriebe. Insbesondere die ideologische Aussteuerung der handwerklichen Wirtschaft war im Aufgabenspektrum von Bedeutung.
80 Jahre später steht die Handwerkskammer für Selbstverwaltung, Interessenvertretung, berufliche Bildung, Meisterqualifikation und konkrete Unterstützung der Handwerksbetriebe in Westbrandenburg. Anfang der 1990er Jahre waren es rund 10.000 Betriebe, heute sind es über 17.500.
Mehr Informationen: [
www.hwk-potsdam.de]