Am Donnerstagabend, 19. Juni, bei schönsten sommerlichen Temperaturen fand das traditionelle Sommerfest der IHK Potsdam statt. Rund 300 Gäste aus Unternehmerschaft, Kunst und Kultur, Politik und Verwaltung folgten der Einladung ins Kutschstall-Ensemble am Neuen Markt und wurden von der Präsidentin der IHK, Ina Hänsel, herzlich begrüßt. Den Auftakt des Events bildete ein tänzerischer Akt im Hip-Hop-Style, dargeboten von einer Tanzgruppe der Flying Steps Academy, die erst kürzlich ostdeutscher Meister geworden ist.
In ihrer ihrer Ansprache ging Ina Hänsel auf die Zeit ein, die eine wesentliche Ressource im unternehmerischen Alltag ist, die jedoch immer mehr von Problemen aufgefressen wird.
Dies verdeutlichte sie am Beispiel einer fiktiven Unternehmerin aus Gransee. Diese Limonadenherstellerin wartet schon seit über einem Jahr auf Unterlagen der kommunalen Verwaltung. Sie findet keinen Nachfolger, weil der Fokus vieler potentieller Nachfolger auf Life läge und nicht auf Work. Sie kann Menschen mit Migrationshintergrund nicht einfach einstellen, weil Genehmigungen nicht vorliegen und diese zu lange dauern. Und letztlich muss sie die Azubine vom Bahnhof abholen, weil der öffentliche Nahverkehr auf dem Land nicht richtig ausgebaut ist.
Diese Zeitfresser seien kein gutes Signal für junge Menschen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Ferner verlören die Menschen so das Vertrauen in die Politik, schlußfolgerte die IHK-Präsidentin.
Deshalb müsse man sich die Zeit zurückholen: schnelle Bearbeitungszeiten der Behörden, Einhaltung von Fristen bzw. es müsse als erlaubt gelten, wenn Fristen seitens der Verwaltung nicht eingehalten werden, und der Ausbau der Infrastruktur seien wichtige Stellschrauben für wirtschaftliches Wachstum und für Zeit, um innovativ wirken zu können.
Passend dazu versprach die Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt, Noosha Aubel, in ihrer Begrüßungsrede: „Wir haben erkannt, an welchen Stellen wir uns weiterentwickeln müssen.“
Grundsätzlich gäbe es zwar viele Herausforderungen - bei globalen Lieferketten bis hin zur Energie- und Fachkräfteversorgung - aber es gäbe auch positive Signale aus der Wirtschaft. So hätte das Land Brandenburg im 1. Quartal das höchste Wachstum aller Bundesländer im Vergleich.
Das läge insbesondere am Engagement der Unternehmerinnen und Unternehmer, für das sich Noosha Aubel ausdrücklich bedankte. Auch der IHK dankte sie für die gute Erfüllung ihrer Funktion als Übersetzer zwischen Wirtschaft und Verwaltung.
Für die Zukunft käme es darauf an, dass der politische Raum mit einer positiveren Haltung auf die Wirtschaft schauen müsse. Denn es ginge dabei nicht nur um Gewerbesteuer, sondern um Arbeitsplätze, Integration und Lebensqualität am Standort, so Aubel.
Dies kam auch in den vielen Gespräche des Abends zum Ausdruck. Ob Mittelständler oder Kleinstgewerbe: die Unternehmen sind bereit, weiterzumachen, wenngleich viele noch nicht sehen, dass die konjunkturelle Talsohle bereits durchschritten wurde. Doch an diesem Abend ging es eben auch um einen generellen positiven Blick in die Zukunft, um den unerschütterlichen unternehmerischen Optimismus, der von gutem Essen begleitet wurde.
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