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Zwischen KI und Demokratie: Die Absolventenfeier der Universität Potsdam

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 28.06.2026 / 18:01 Uhr von Christine Fuchs
Es war ein heißer und schöner Donnerstag. Ganz im Gegensatz zum letzten Jahr, gab es bei der diesjährigen Absolventenfeier der Universität Potsdam eitel Sonnenschein bei smarten 34 Grad. Das tat der Freude der Absolventen und Absolventinnen keinen Abbruch, denn wer an dieser Feier teilnehmen kann, hat ein erstes Etappenziel des akademischen Berufslebens erreicht: den Studienabschluss. Nach einem Balkonempfang begann die eigentliche Feier traditionell um 17 Uhr auf dem Ehrenplatz am Neuen Palais mit einem musikalischen Auftakt: die universitäre Band UNISONO spielte ein Medley der schönsten und bekanntesten Disneyfilmmelodien.

Universitätspräsident Prof. Oliver Günther verwies in seiner Begrüßungs- und Gratulationsrede auf die aktuelle spannungsreiche geopolitische Situation, die kontroversen Standpunkte in den akademischen Diskursen und natürlich auf das allgegenwärtige Hype-Thema Künstliche Intelligenz (KI). Mehr und mehr würde die KI auch in der akademischen Lehre Einzug halten, so Günther.

In jedem Fall sei das Studium wertvoll, ob nun mit oder ohne KI. Denn: Ein universitäres Studium steht für Persönlichkeitsbildung, die durch das gemeinsame Lernen erfolgt, den Austausch mit den Mitstudierenden aus dem In- und Ausland, in Deutsch oder auch in anderen Sprachen. Es steht für Kontextualisierung und Einordnung von Wissen, und es steht für Kritikfähigkeit, die man im kontroversen Diskurs erwirbt und die sich erst dann ausbildet, wenn man sich auch Inhalten aussetzt, die den eigenen Ansichten zutiefst widersprechen. Raus aus der Blase und rein in die komplexe Welt von Hypothesen, Mutmaßungen und natürlich auch gesicherten Erkenntnissen, die die Wissenschaft charakterisiert“, führte der Präsident der Universität aus.

Die diesjährige Festrede wurde vom polnischen Verfassungsrechtler und ehemaligen Justizminister Prof. Dr. Adam Bodnar gehalten. Freiheit, Freiheitsrechte und Demokratie waren die Säulen seiner Rede. Er erinnerte daran, wie schwer diese Werte in Polen und im gesamten Ostblock erkämpft wurden. Die Zeit des eisernen Vorhangs schilderte er als willkürlich, politisch ideologisiert und unfrei. Die Bedeutung einer unabhängigen Justiz sei für ein Leben in Freiheit wesentlich.

„Heute, 37 Jahre später, habe ich das Gefühl, dass sich ähnliche Entwicklungen auch im 21. Jahrhundert wieder ereignen könnten. Geschichte wiederholt sich vielleicht nicht eins zu eins. Doch selbst moderne Demokratien können fragil sein und politischen Versuchungen nicht immer standhalten. Polen zwischen 2015 und 2023 ist dafür ein eindrückliches Beispiel“, führte Prof. Bodnar aus.

Der Widerstand gegen demokratischen Rückschritt und die Verteidigung von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie läge in den Händen der jüngeren Generation. „Und damit meine ich auch: in Ihren Händen, liebe Absolventinnen und Absolventen“, ermutigte der Bodnar die Zuhörerschaft für Freiheitsrechte einzustehen.

Im Anschluss an die Reden wurden verschiedene Preise vergeben: der DAAD Preis, der Dissertations-Preis und der Absolventenpreis. Die Absolventenpreisträgerin, Jessica Michelle Dierking, thematisierte in ihrer Absolventenrede ebenfalls den Umgang mit der KI.

„KI-Systeme entwickeln sich derzeit mit einer Geschwindigkeit, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Sie eröffnen viele Möglichkeiten – in der Medizin, der Wissenschaft, der Bildung und zahlreichen anderen Bereichen. Gleichzeitig werfen sie aber auch viele wichtige Fragen nach Fairness, Vorurteilen und Missbrauch auf.“ In ihrer Promotion wolle sie daher einige dieser Fragen näher beleuchten.

Die Ehrung der Jahrgangsbesten der sechs Fakultäten bildete den würdigen Abschluss dieser Absolventenfeier.

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