Potsdam legt seine eigenen Öko-Baustandards vorerst auf Eis. Die Stadtverordnetenversammlung hat beschlossen, die Vorgaben zum ökologischen Bauen und zur Holzbau-Initiative bis zum 31. Dezember 2030 auszusetzen. Das gilt allerdings nur für den kommunalen Wohnungsbau der ProPotsdam und für Bauvorhaben des Kommunalen Immobilienservice (KIS). Die Stadt will damit schneller an bezahlbaren Wohnraum kommen."
Oberbürgermeisterin Noosha Aubel wirbt für den Schritt. „Das Moratorium ist kein Abschied von Nachhaltigkeit, sondern ein Auftrag zur Prüfung", sagt sie. Die Standards müssten ökologisch sinnvoll, zugleich aber wirtschaftlich tragfähig und in der Praxis umsetzbar sein.
Zur Begründung verweist die Verwaltung auf veränderte Rahmenbedingungen. Baupreise und Zinsen sind gestiegen, Förderprogramme von Land und Bund überbucht, die Anforderungen an Planung und Nachweisführung gewachsen. Besonders ambitionierte Vorgaben erschwerten nach eigenen Angaben die Finanzierung kommunaler Projekte und könnten sie verzögern oder ganz verhindern. Die bisherigen Beschlüsse galten nur für städtische Bauvorhaben und sollten Signalwirkung für klimaverträgliches Bauen und den Baustoff Holz entfalten.
Während des Moratoriums will die Verwaltung die Vorgaben prüfen und Zielkonflikte zwischen Ökologie, Ökonomie und Sozialem benennen. Beigeordneter Bernd Rubelt betont, entscheidend sei die Gesamtbilanz eines Gebäudes über den gesamten Lebenszyklus, nicht die Erfüllung einzelner Standards. Auch ProPotsdam-Geschäftsführer Bert Nicke begrüßt den Schritt. Die wirkungsstärkste Variante sei nicht immer die mit dem höchsten Standard.
Der Zeitraum orientiert sich am sogenannten Bauturbo, einer bis Ende 2030 befristeten Sonderregelung im Baugesetzbuch (§ 246e BauGB), die den Wohnungsbau erleichtern soll. Spätestens sechs Monate vor Ablauf soll den Stadtverordneten ein Vorschlag vorliegen, wie es mit den Beschlüssen weitergeht.