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Altes Brauhaus in Werder ist Denkmal des Monats September

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 13.09.2021 / 15:35 Uhr von hkx
Die Stadt Werder (Havel) ist seit 1996 Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Historische Stadtkerne im Land Brandenburg. Einmal im Monat zeichnet die Arbeitsgemeinschaft besondere Sanierungsobjekte in den Altstädten ihrer Mitgliedsstädte im ganzen Land Brandenburg öffentlichkeitswirksam als „Denkmal des Monats“ aus. Im Folgejahr wird dann ein Kalender mit Bildern dieser Objekte und Informationen zu deren Geschichte veröffentlicht.

Am Sonntag, den 12. September, wurde das Alte Brauhaus in Werder „Denkmal des Monats“. Die Arbeitsgemeinschaft hatte dieses besondere Objekt gemeinsam mit der Stadt ausgewählt. Es ging nicht nur darum, das Denkmal zu würdigen, sondern auch, wie es belebt wurde und wie es sich gemeinsam mit dem benachbarten Neubau in die Altstadt einfügt.

„Werder hat nicht nur Obstwein. Wir haben auch Bier“, sagte Werders 1. Beigeordneter Christian Große bei dem Termin. Bier war in der Gründerzeit, wie Obst und Ziegeln, der „Exportschlager“ der Stadt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist das Bier regelrecht in Strömen geflossen: Sechs bis sieben Millionen Liter Bier wurden seinerzeit von den Werderaner Großbrauereien ausgeführt. Fontane schwärmte vom Werderschen als „Traum“, es galt sogar als gesundheitsfördernd.

„Mit dem 1887 erbauten Brauhaus in der Lindenstraße 1 ist die Tradition auch heute im Stadtbild präsent“, so Christian Große. Zunächst wurde das Haus vom Brauereibesitzer Georg Bauer als Kühl- und Lagerhaus errichtet. 1896 fusionierten die vier Brauereien der Stadt zur „Werderschen Brauerei AG“, das Alte Brauhaus war ihr Hauptstandort. 1912 wurde das Konkursverfahren eröffnet.

Was war passiert? Letztlich mussten sich die Werderaner Bierbrauer damals den Tschechen und Bayern geschlagen geben. Eine neue Brauart wurde zunächst als Pilsner Urquell in Böhmen vertrieben. Dann wurde sie als bayerische Brauart in ganz Deutschland bekannt. Die neue Brauweise brachte eine interessante Geschmacksnote und machte das Bier haltbarer. Es war stärker gehopft und bitterer.

Schultheiß und Kindl in Berlin erkannten die Zeichen der Zeit damals schnell. Gegen diese Konkurrenz konnte man in Werder nicht die Stellung halten. Das Alte Brauhaus wurde 1945 von Schultheiß übernommen. Nach 1970 füllte hier das Getränkekombinat Potsdam Bier und später Obstsäfte ab.

Die gute Nachricht: Es gibt wieder Bier aus Werder. Der Rittmeister in Kemnitz hat seit 2014 wieder seine eigene Hausbrauerei. Und in den Havelauen entsteht eine Abfüllstation des Brauhauses Templin Zum Jahreswechsel geht es dort los. Christian Große erinnerte daran, dass das Templiner Brauhaus auch wieder das alte Werdersche Bier braut. Zur Auszeichnungsveranstaltung wurde ein kleines Fass davon angestochen, das auf einem Tempo-Dreirad des Oldtimerclubs MC Blütenstadt stand.

Auch das Alte Brauhaus war nicht mit den einstigen Großbrauereien verschwunden, wobei es 1990 in einem bedenklichen Zustand gewesen war. Das Brauhaus gehörte zu den ersten großen Objekten, bei denen nach der Wende mit der Sanierung begonnen wurde. Bauherr war der Berliner Bauunternehmer Dirk Foitzik. Mittlerweile gab es mehrere Eigentümerwechsel, der jüngste erst in diesem Monat.

Am 26. November 1992 war die Grundsteinlegung für Sanierung. Im Sommer 1995 war die Sanierung für 26 Millionen Mark abgeschlossen. Havelseitig war der angepasste Erweiterungsbau entstanden. „Wenn man sich diese beiden Gebäude heute anschaut, kann man sich nicht vorstellen, dass sie nach der Sanierung lange Zeit fast leer gestanden haben“, erinnerte Christian Große an die 1990er-Jahre.

Anfangs ließen sich die Laden- und Gewerbeflächen kaum vermieten. Noch 1998 war ein Eisverkäufer laut einem Zeitungsbericht der einzige Mieter. Erst nach dem Jahr 2000 ging es langsam aufwärts für den Standort und die Ladenzeile. Nachdem 2003 und 2004 noch Kunstausstellungen im Brauhaus stattfanden, wurden auch die Gewerberäume zunehmend vermietet.

Heute ist das Brauhaus aus der Altstadt nicht mehr wegzudenken. „Es repräsentiert die florierende City wie kaum ein anderes Gebäude“, so Christian Große.

Bilder

Irina Barke von der AG Städte mit Historischem Stadtkern und Christian Große_Foto_hkx
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